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Was wird bei einer Unternehmensbewertung bewertet? Unternehmen, Beteiligung oder Asset?

  • 10. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit

Ansatz.Perspektiven · #02 Gegenstand

Eine grundlegende Frage – die häufig übersehen wird


Wenn von Unternehmensbewertung die Rede ist, wird häufig direkt über Methoden gesprochen.

Ertragswertverfahren, Discounted-Cashflow-Methode oder Multiples.


Doch eine vorgelagerte Frage bleibt dabei oft unbeachtet:


Was wird bei einer Unternehmensbewertung eigentlich bewertet?


Die Antwort scheint auf den ersten Blick eindeutig.


Das Unternehmen.


Und doch liegt genau hier eines der häufigsten Missverständnisse in der Praxis.

Denn in vielen Fällen wird nicht das Unternehmen als Ganzes bewertet, sondern etwas anderes:

Eine Beteiligung.Oder einzelne Vermögensgegenstände.


Diese Unterscheidung ist nicht nur formal.

Sie ist wirtschaftlich entscheidend.



Der Bewertungsgegenstand als Ausgangspunkt jeder Bewertung


Eine fundierte Unternehmensbewertung beginnt nicht mit einer Methode.

Sie beginnt mit der Klärung des Bewertungsgegenstands.


Im Kern lassen sich drei typische Bewertungsgegenstände unterscheiden:


1. Das Unternehmen als Ganzes

Wird das Unternehmen bewertet, steht seine zukünftige Ertragskraft im Mittelpunkt.

Es geht um die Frage:


Welche finanziellen Überschüsse kann dieses Unternehmen künftig erwirtschaften?


Die Bewertung erfolgt damit auf Basis:


  • zukünftiger Erträge oder Cashflows

  • nachhaltiger Margen

  • langfristiger Entwicklungsperspektiven


Das Unternehmen wird dabei als wirtschaftliche Einheit betrachtet.



2. Die Beteiligung am Unternehmen


Wird nicht das Unternehmen selbst, sondern eine Beteiligung bewertet, verschiebt sich der Fokus.


Denn eine Beteiligung vermittelt Rechte.


Zum Beispiel:


  • Einfluss auf Entscheidungen

  • Zugang zu Informationen

  • Mitwirkung an der strategischen Ausrichtung


Oder eben gerade nicht.


Insbesondere bei Minderheitsbeteiligungen stellt sich daher eine zentrale Frage:

In welchem Umfang kann der Anteilseigner auf die Entwicklung des Unternehmens Einfluss nehmen?


Der Wert einer Beteiligung kann sich daher erheblich vom Wert des Gesamtunternehmens unterscheiden.



3. Einzelne Vermögensgegenstände (Assets)


In manchen Fällen werden nicht ganze Unternehmen oder Beteiligungen bewertet, sondern einzelne Assets.


Beispiele sind:


  • Markenrechte

  • Technologien

  • Kundenbeziehungen


Der Wert dieser Assets ergibt sich häufig nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit anderen Unternehmensbestandteilen.


Wird ein Asset separat bewertet, müssen daher eigene Bewertungsmaßstäbe angewendet werden.



Typische Fehler in der Praxis


In der Praxis werden diese drei Ebenen häufig vermischt.


Typische Fehler sind:


  • Übertragung von Unternehmenswerten auf Beteiligungen

  • Gleichsetzung von Asset-Werten mit Gesamtunternehmenswerten

  • Verwendung von Multiples ohne Bezug zum Bewertungsgegenstand


Das führt zu unscharfen Ergebnissen.

Und häufig zu falschen Schlussfolgerungen.



Warum die Abgrenzung entscheidend ist


Der Bewertungsgegenstand bestimmt:


  • welche Methode sinnvoll ist

  • welche Annahmen getroffen werden müssen

  • wie das Ergebnis zu interpretieren ist


Er ist damit die Grundlage jeder belastbaren Bewertung.


Fazit


Eine Unternehmensbewertung beginnt nicht mit der Frage nach der Methode.


Sondern mit der Frage:

Was genau wird eigentlich bewertet?


Erst wenn diese Frage eindeutig beantwortet ist, kann eine Bewertung methodisch sauber und wirtschaftlich sinnvoll durchgeführt werden.



Über The Valuater


Unter The Valuater analysiert Jan Seeger Bewertungsfragen aus der Perspektive eines öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für Unternehmensbewertung (IHK Berlin). Im Mittelpunkt steht dabei die Überzeugung, dass belastbare Unternehmenswerte nicht aus einzelnen Kennzahlen entstehen, sondern aus einer klaren Bewertungsarchitektur.

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