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Unternehmensbewertung im Lebenszyklus: Warum der Unternehmenswert kein fixer Punkt ist

  • 10. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit

Ansatz.Perspektiven · #03 Lebenszyklus

Unternehmen verändern sich – und mit ihnen ihr Wert


Die Unternehmensbewertung im Lebenszyklus zeigt, dass der Unternehmenswert kein fixer Punkt ist, sondern sich mit der Entwicklung des Unternehmens verändert.


Unternehmensbewertungen werden häufig so behandelt, als gäbe es einen „richtigen“ Wert.

Eine Zahl, die das Unternehmen objektiv beschreibt.


Doch diese Vorstellung greift zu kurz.

Denn Unternehmen sind keine statischen Gebilde.

Sie entwickeln sich.


Und mit dieser Entwicklung verändert sich auch ihre Bewertung.



Der Lebenszyklus eines Unternehmens


Unternehmen durchlaufen typischerweise verschiedene Entwicklungsphasen.

Diese unterscheiden sich nicht nur operativ, sondern auch in ihrer wirtschaftlichen Struktur.


Typische Phasen sind:


1. Aufbau- und Frühphase


In der frühen Phase stehen häufig Wachstum und Marktetablierung im Vordergrund.

Erträge sind oft noch gering oder negativ.


Die Bewertung basiert hier weniger auf aktuellen Ergebnissen, sondern vor allem auf Erwartungen:


  • zukünftiges Marktpotenzial

  • Skalierbarkeit des Geschäftsmodells

  • Zugang zu Kapital


Das Risiko ist in dieser Phase besonders hoch.



2. Wachstumsphase


In der Wachstumsphase beginnt das Unternehmen, seine Marktposition auszubauen.

Umsätze steigen.


Strukturen werden stabiler.


Die Bewertung wird zunehmend durch operative Entwicklungen getragen:


  • steigende Erlöse

  • zunehmende Skalierung

  • verbesserte Margen


Gleichzeitig bestehen weiterhin erhöhte Risiken.



3. Reifephase


In der Reifephase sind Geschäftsmodell und Marktposition weitgehend etabliert.

Erträge sind stabil.


Wachstum verlangsamt sich.


Die Bewertung basiert hier stärker auf:


  • nachhaltiger Ertragskraft

  • stabilen Cashflows

  • geringeren Unsicherheiten


Das Risiko ist im Vergleich zu früheren Phasen reduziert.



4. Sondersituationen und Umbrüche


Neben diesen klassischen Phasen können Unternehmen auch in besondere Situationen geraten:


  • Restrukturierungen

  • Marktveränderungen

  • strategische Neuausrichtungen


In solchen Fällen verändern sich die Bewertungsmaßstäbe häufig grundlegend.



Warum der Lebenszyklus für die Bewertung entscheidend ist


Der Lebenszyklus beeinflusst nicht nur die Höhe des Unternehmenswertes.


Er bestimmt auch:


  • welche Annahmen sinnvoll sind

  • welche Risiken zu berücksichtigen sind

  • welche Bewertungsmethoden angemessen erscheinen


Ein junges Unternehmen wird anders bewertet als ein etabliertes.

Ein wachsendes anders als ein stagnierendes.


Die Bewertung folgt damit der wirtschaftlichen Realität des Unternehmens.



Typische Fehler in der Praxis


Ein häufiger Fehler besteht darin, Bewertungsmaßstäbe unabhängig von der Entwicklungsphase anzuwenden.


Beispiele sind:


  • Anwendung stabiler Multiples auf hochvolatile Geschäftsmodelle

  • Ableitung langfristiger Werte aus kurzfristigen Sondererträgen

  • Vernachlässigung von Entwicklungsrisiken in frühen Phasen


Solche Vereinfachungen können zu erheblichen Fehleinschätzungen führen.



Fazit


Ein Unternehmenswert ist kein fixer Punkt.

Er ist eine Momentaufnahme.


Er entsteht im Kontext der jeweiligen Entwicklungsphase eines Unternehmens.


Eine fundierte Bewertung berücksichtigt daher nicht nur Zahlen.

Sondern auch die Position des Unternehmens im Lebenszyklus.



Über The Valuater


Unter The Valuater analysiert Jan Seeger Bewertungsfragen aus der Perspektive eines öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für Unternehmensbewertung (IHK Berlin). Im Mittelpunkt steht dabei die Überzeugung, dass belastbare Unternehmenswerte nicht aus einzelnen Kennzahlen entstehen, sondern aus einer klaren Bewertungsarchitektur.


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