Was ist mein Unternehmen wert? Eine Einordnung der Unternehmensbewertung
- 2. Apr.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Apr.
Anlass.Perspektiven · #01 Orientierung
Eine der häufigsten Unternehmerfragen – und eine der schwierigsten Antworten
Viele Unternehmer stellen sich irgendwann dieselbe Frage:
Was ist mein Unternehmen eigentlich wert?
Die Frage taucht häufig in ganz konkreten Situationen auf: wenn ein Gesellschafter ausscheidet, eine Nachfolgeregelung vorbereitet wird oder ein Unternehmensverkauf im Raum steht. Manchmal entsteht sie auch einfach aus strategischer Neugier – etwa wenn man wissen möchte, welchen wirtschaftlichen Wert das eigene Unternehmen inzwischen aufgebaut hat.
So verständlich diese Frage ist, so schwierig ist ihre Antwort.
Denn ein Unternehmenswert ist keine feste Eigenschaft eines Unternehmens, wie etwa Umsatz oder Mitarbeiterzahl. Er entsteht erst durch eine Analyse – und diese hängt immer vom jeweiligen Kontext ab.
Eine fundierte Unternehmensbewertung beginnt deshalb nicht mit einer Rechenformel, sondern mit vier grundlegenden Fragen:
Warum wird bewertet?
Wonach wird bewertet?
Wie wird bewertet?
Mit welcher Aussagekraft soll das Ergebnis gelten?
Erst wenn diese Fragen geklärt sind, kann ein belastbares Bewertungsurteil entstehen.
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Die Architektur der Unternehmensbewertung
Eine seriöse Unternehmensbewertung folgt einer klaren Struktur. Sie entsteht aus dem Zusammenspiel von Bewertungsanlass, Bewertungsmaßstab, Bewertungsmethode und dem Grad der Bewertungsverbindlichkeit.
Die Architektur der Unternehmensbewertung
Eine seriöse Unternehmensbewertung folgt einer klaren Struktur. Sie entsteht aus dem Zusammenspiel von Bewertungsanlass, Bewertungsmaßstab, Bewertungsmethode und dem Grad der Bewertungsverbindlichkeit.
Diese vier Elemente sind nicht unabhängig voneinander zu verstehen, sondern greifen ineinander:
Der Bewertungsanlass bestimmt, warum überhaupt bewertet wird und in welchem Kontext die Bewertung steht.
Der Bewertungsmaßstab legt fest, welches Wertkonzept zugrunde gelegt wird – etwa ein objektivierter Unternehmenswert oder ein transaktionsbezogener Wert.
Die Bewertungsmethode beschreibt, wie der Wert rechnerisch abgeleitet wird.
Die Bewertungsverbindlichkeit definiert schließlich, mit welcher Aussagekraft das Ergebnis gelten soll – von einer groben Indikation bis hin zu einem gerichtsfesten Gutachten.
Erst das Zusammenspiel dieser vier Dimensionen führt zu einem belastbaren Bewertungsurteil.
Ein Unternehmenswert ist daher weniger eine isolierte Zahl als vielmehr das Ergebnis einer strukturierten Ableitung.
Oder anders formuliert:
Unternehmensbewertung ist keine Rechenübung – sie ist eine strukturierte Analyse.
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Die drei wichtigsten Werttreiber eines Unternehmens
Unabhängig von Bewertungsanlass oder Methode beruhen Unternehmenswerte letztlich auf drei grundlegenden Faktoren.
1. Ertragskraft
Der wichtigste Treiber eines Unternehmenswertes ist seine Fähigkeit, nachhaltige Erträge zu erwirtschaften.
Dabei geht es nicht nur um den aktuellen Jahresgewinn, sondern vor allem um die Frage:
Welche Ergebnisse kann dieses Unternehmen künftig erzielen?
Investoren, Käufer und Gesellschafter interessieren sich daher in erster Linie für die zukünftige Ertragskraft eines Unternehmens. Je stabiler und nachhaltiger diese Erträge sind, desto höher ist in der Regel auch der Unternehmenswert.
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2. Wachstumsperspektive
Neben der aktuellen Ertragskraft spielt die Wachstumsfähigkeit eines Unternehmens eine wichtige Rolle.
Unternehmen mit guten Marktpositionen, skalierbaren Geschäftsmodellen oder innovativen Produkten verfügen häufig über höhere Bewertungspotenziale als Unternehmen in stagnierenden Märkten.
Wachstum kann sich beispielsweise zeigen durch:
steigende Marktanteile
neue Geschäftsfelder
internationale Expansion
Skalierbarkeit digitaler Geschäftsmodelle
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3. Risiko
Der dritte zentrale Faktor jeder Unternehmensbewertung ist das unternehmerische Risiko.
Je unsicherer die zukünftigen Erträge eines Unternehmens sind, desto stärker werden diese in der Bewertung abgezinst.
Risiken können sich beispielsweise ergeben aus:
Abhängigkeit von einzelnen Kunden
technologische Veränderungen
intensiver Wettbewerb
regulatorische Rahmenbedingungen
In der Unternehmensbewertung gilt daher ein einfaches Grundprinzip:
Der Unternehmenswert entsteht aus dem Zusammenspiel von Ertrag, Wachstum und Risiko.
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Welche Methoden zur Unternehmensbewertung gibt es?
Zur Ermittlung eines Unternehmenswertes haben sich verschiedene Bewertungsverfahren etabliert. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie zukünftige Erträge berücksichtigt werden.
Ertragswertverfahren
Im deutschsprachigen Raum wird häufig das Ertragswertverfahren angewendet.
Es bildet die Grundlage vieler Bewertungen nach dem Standard IDW S1 des Instituts der Wirtschaftsprüfer. Dabei wird der Unternehmenswert aus den zukünftig erwarteten Erträgen eines Unternehmens abgeleitet.
Die zentrale Idee lautet:
Ein Unternehmen ist so viel wert wie die Ergebnisse, die es in Zukunft erwirtschaften kann.
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Discounted-Cashflow-Methode (DCF)
International wird häufig die Discounted-Cashflow-Methode (DCF) verwendet.
Hierbei werden zukünftige Zahlungsströme eines Unternehmens prognostiziert und auf den heutigen Zeitpunkt abgezinst.
Der Fokus liegt dabei stärker auf Cashflows statt bilanziellen Gewinnen.
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Multiplikatorverfahren
Bei Unternehmensverkäufen werden häufig sogenannte Multiples verwendet.
Dabei wird der Unternehmenswert anhand von Vergleichstransaktionen oder Börsenbewertungen abgeleitet, etwa über Kennzahlen wie:
EBITDA-Multiple
Umsatz-Multiple
Multiples können eine hilfreiche Orientierung liefern, ersetzen jedoch in der Regel keine fundierte Unternehmensbewertung.
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Warum der Bewertungsanlass entscheidend ist
Ein Punkt wird in der Praxis häufig unterschätzt:
Der Unternehmenswert hängt immer vom Bewertungsanlass ab.
Ein und dasselbe Unternehmen kann je nach Kontext unterschiedlich bewertet werden.
Typische Bewertungsanlässe sind beispielsweise:
Gesellschafterwechsel oder Abfindungssituationen
Unternehmensnachfolge oder Schenkung
Unternehmensverkauf oder Beteiligungstransaktionen
gesellschaftsrechtliche Umstrukturierungen
Der jeweilige Anlass bestimmt häufig auch den maßgeblichen Bewertungsrahmen, etwa durch gesellschaftsvertragliche Regelungen, steuerliche Vorschriften oder bilanzielle Anforderungen.
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Wann eine professionelle Unternehmensbewertung sinnvoll ist
Eine fundierte Unternehmensbewertung wird immer dann wichtig, wenn wirtschaftlich bedeutende Entscheidungen vom Unternehmenswert abhängen.
Typische Situationen sind:
Vorbereitung eines Unternehmensverkaufs
Aufnahme eines Investors
Gesellschafterstreit oder Abfindungsregelungen
Nachfolgeregelungen in Familienunternehmen
gesellschaftsrechtliche Strukturmaßnahmen
In solchen Fällen reicht eine grobe Orientierung häufig nicht aus. Stattdessen wird eine strukturierte Analyse benötigt, die den konkreten Bewertungsanlass berücksichtigt.
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Fazit
Die Frage „Was ist mein Unternehmen wert?“ lässt sich nicht mit einer einfachen Formel beantworten.
Ein belastbarer Unternehmenswert entsteht erst aus dem Zusammenspiel von:
Bewertungsanlass
Bewertungsmaßstab
Bewertungsmethode
Bewertungsverbindlichkeit
Er ist daher weniger eine feste Zahl als vielmehr das Ergebnis einer strukturierten Analyse.
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Über The Valuater
Unter The Valuater analysiert Jan Seeger Bewertungsfragen aus der Perspektive eines öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für Unternehmensbewertung (IHK Berlin). Im Mittelpunkt steht dabei die Überzeugung, dass belastbare Unternehmenswerte nicht aus einzelnen Kennzahlen entstehen, sondern aus einer klaren Bewertungsarchitektur.