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Unternehmensbewertung beim Unternehmensverkauf

  • 2. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 10. Apr.

Anlass.Perspektiven · #03 Übergabe


Die Unternehmensbewertung beim Unternehmensverkauf ist dabei der zentrale Ausgangspunkt für jede fundierte Preisdiskussion.


Warum Käufer und Verkäufer selten denselben Unternehmenswert sehen


Wer sein Unternehmen verkaufen möchte, stellt sich früher oder später eine zentrale Frage:


Welchen Preis kann ich für mein Unternehmen erzielen?


Viele Unternehmer beginnen ihre Überlegungen mit einer eigenen Wertschätzung. Häufig orientiert man sich dabei an:


  • dem aktuellen Gewinn

  • branchenüblichen Multiples

  • vergleichbaren Transaktionen


Doch schon in frühen Gesprächen mit potenziellen Käufern zeigt sich häufig ein überraschendes Phänomen:


Käufer und Verkäufer kommen oft zu sehr unterschiedlichen Wertvorstellungen.


Der Grund liegt darin, dass ein Unternehmensverkauf nicht nur eine rechnerische Bewertung ist, sondern auch eine Frage von Erwartungen, Risiken und strategischen Perspektiven.



Unternehmenswert ist nicht gleich Kaufpreis


Ein häufiger Irrtum besteht darin, Unternehmenswert und Kaufpreis gleichzusetzen.


In der Realität handelt es sich um zwei unterschiedliche Größen.


Der Unternehmenswert ist das Ergebnis einer wirtschaftlichen Analyse. Er basiert auf Annahmen über zukünftige Erträge, Wachstum und Risiken.


Der Kaufpreis hingegen entsteht im Markt – also im Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage zwischen Käufer und Verkäufer.


Deshalb gilt in Transaktionssituationen häufig:


Der Wert entsteht in der Analyse – der Preis entsteht in der Verhandlung.



Die Perspektive des Verkäufers


Unternehmer haben oft eine sehr enge Beziehung zu ihrem Unternehmen. Viele Jahre Aufbauarbeit, unternehmerisches Risiko und persönliche Investitionen prägen die eigene Wahrnehmung des Unternehmenswertes.


Typischerweise orientieren sich Verkäufer an:


  • der bisherigen Unternehmensentwicklung

  • dem aktuellen Ergebnisniveau

  • zukünftigen Wachstumschancen


Nicht selten fließt auch ein gewisser unternehmerischer Stolz in die eigene Wertvorstellung ein.


Diese Perspektive ist nachvollziehbar, entspricht aber nicht immer der Sichtweise eines potenziellen Käufers.



Die Perspektive des Käufers


Ein Käufer betrachtet das Unternehmen in der Regel aus einer anderen Perspektive.


Für ihn steht vor allem die Frage im Mittelpunkt:


Welche zukünftigen Erträge kann dieses Unternehmen für mich generieren?


Dabei spielen insbesondere folgende Aspekte eine Rolle:


  • Stabilität der Erträge

  • Abhängigkeit von Schlüsselpersonen

  • Investitionsbedarf

  • Wettbewerbssituation

  • Integrationsrisiken


Ein Käufer bewertet daher häufig vorsichtiger als der Verkäufer – insbesondere wenn zukünftige Entwicklungen unsicher erscheinen.



Welche Rolle Multiples bei Unternehmensverkäufen spielen


Im Rahmen von Unternehmensverkäufen werden häufig sogenannte Multiplikatorverfahren verwendet.


Dabei wird der Unternehmenswert anhand vergleichbarer Transaktionen oder Börsenbewertungen abgeleitet. Typische Kennzahlen sind beispielsweise:


  • EBITDA-Multiple

  • EBIT-Multiple

  • Umsatz-Multiple


Multiples bieten eine hilfreiche Orientierung, da sie Marktinformationen enthalten.


Allerdings haben sie auch Grenzen. Denn kein Unternehmen ist vollständig mit einem anderen vergleichbar. Unterschiede bestehen etwa bei:


  • Wachstumsperspektiven

  • Profitabilität

  • Geschäftsmodell

  • Marktposition


Multiples sind daher meist ein Ausgangspunkt für Preisverhandlungen, aber selten die alleinige Bewertungsgrundlage.



Strategische Käufer und Finanzinvestoren


Ein weiterer Faktor, der den möglichen Kaufpreis beeinflusst, ist die Art des Käufers.


Strategische Käufer – etwa Wettbewerber oder Branchenunternehmen – können häufig zusätzliche Synergien realisieren. Dazu gehören beispielsweise:


  • gemeinsame Vertriebskanäle

  • Skaleneffekte in Produktion oder Einkauf

  • Zugang zu neuen Märkten


Solche Synergien können dazu führen, dass strategische Käufer bereit sind, höhere Preise zu zahlen.


Finanzinvestoren hingegen betrachten ein Unternehmen stärker unter Renditegesichtspunkten. Für sie steht im Vordergrund, welche Wertsteigerung innerhalb eines bestimmten Investitionszeitraums möglich ist.



Warum eine strukturierte Bewertung trotzdem wichtig ist


Auch wenn der endgültige Kaufpreis im Markt entsteht, bleibt eine fundierte Unternehmensbewertung ein wichtiges Instrument.


Sie hilft dabei,


  • realistische Preisvorstellungen zu entwickeln

  • Verhandlungen sachlich zu strukturieren

  • unterschiedliche Annahmen transparent zu machen


Eine Bewertung kann damit als Orientierungsrahmen für Verkaufsverhandlungen dienen.



Fazit


Beim Verkauf eines Unternehmens treffen häufig unterschiedliche Wertvorstellungen aufeinander.


Während Verkäufer häufig die historische Entwicklung und das zukünftige Potenzial ihres Unternehmens betonen, konzentrieren sich Käufer stärker auf Risiken und zukünftige Ertragsmöglichkeiten.


Der endgültige Kaufpreis entsteht daher nicht allein aus einer Bewertungsmethode, sondern aus dem Zusammenspiel von:


  • wirtschaftlicher Analyse

  • Marktbedingungen

  • Verhandlungssituation


Eine fundierte Unternehmensbewertung kann dabei helfen, diese Perspektiven zu strukturieren und eine sachliche Grundlage für den Verkaufsprozess zu schaffen.



Über The Valuater


Unter The Valuater analysiert Jan Seeger Bewertungsfragen aus der Perspektive eines öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für Unternehmensbewertung (IHK Berlin). Der Fokus liegt auf strukturierten Bewertungen in komplexen Entscheidungs- und Transaktionssituationen.

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