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Unternehmensbewertung: Gutachten oder Wertindikation

  • 2. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 10. Apr.

Ansatz.Perspektiven · #04 Verbindlichkeit


Die Frage, ob eine Unternehmensbewertung als Gutachten oder Wertindikation erfolgen sollte, ist in der Praxis von zentraler Bedeutung.


Welche Formen der Unternehmensbewertung es gibt


Unternehmer wenden sich häufig mit einer scheinbar einfachen Frage an einen Bewertungsexperten:


„Was ist mein Unternehmen wert?“


Doch schon nach kurzer Zeit stellt sich eine zweite Frage, die mindestens ebenso wichtig ist:


Welche Art von Bewertung wird eigentlich benötigt?


Denn nicht jede Situation erfordert denselben Umfang und dieselbe Verbindlichkeit einer Bewertung. In der Praxis haben sich unterschiedliche Formen etabliert, die sich vor allem im Analyseumfang, Dokumentationsgrad und der Aussagekraft unterscheiden.


Typischerweise lassen sich vier Bewertungsformen unterscheiden:


  • Wertabschätzung

  • Wertindikation

  • Stellungnahme

  • Bewertungsgutachten


Welche Form sinnvoll ist, hängt stark vom jeweiligen Bewertungsanlass ab.



Wertabschätzung


Die Wertabschätzung ist die einfachste Form einer Unternehmensbewertung.


Sie dient in erster Linie der ersten Orientierung. Grundlage sind meist überschlägige Analysen sowie öffentlich verfügbare oder vom Auftraggeber bereitgestellte Informationen.


Eine Wertabschätzung kann beispielsweise sinnvoll sein:


  • in frühen Überlegungsphasen eines Unternehmensverkaufs

  • zur groben Einordnung möglicher Unternehmenswerte

  • als erste wirtschaftliche Orientierung


Da Umfang und Dokumentation begrenzt sind, hat eine Wertabschätzung in der Regel keine hohe Verbindlichkeit. Sie ersetzt daher keine detaillierte Unternehmensbewertung.



Wertindikation


Die Wertindikation geht einen Schritt weiter.


Hier erfolgt bereits eine strukturiertere Analyse des Unternehmens, häufig auf Grundlage von:


  • Jahresabschlüssen

  • Planungsrechnungen

  • Markt- und Brancheninformationen


Eine Wertindikation dient dazu, einen plausiblen Wertebereich für ein Unternehmen abzuleiten.


Typische Anwendungsfälle sind:


  • Vorbereitung von Verkaufsprozessen

  • erste Gespräche mit Investoren

  • strategische Entscheidungen von Gesellschaftern


Auch eine Wertindikation ist in der Regel nicht als förmliches Gutachten ausgestaltet, bietet aber bereits eine deutlich fundiertere Grundlage als eine reine Wertabschätzung.



Stellungnahme


Eine Stellungnahme zur Unternehmensbewertung ist häufig dann erforderlich, wenn eine Bewertung im Kontext konkreter Fragestellungen beurteilt werden soll.


Beispiele sind etwa:


  • Prüfung einer bestehenden Bewertung

  • Einordnung von Bewertungsannahmen

  • Bewertung einzelner Bewertungsparameter


Die Stellungnahme konzentriert sich meist auf bestimmte Aspekte einer Bewertung und ist daher enger abgegrenzt als ein vollständiges Bewertungsgutachten.



Bewertungsgutachten


Die umfassendste Form ist das Bewertungsgutachten.


Hierbei wird das Unternehmen auf Grundlage einer strukturierten Analyse vollständig bewertet. Dazu gehören typischerweise:


  • Analyse der wirtschaftlichen Ausgangssituation

  • Untersuchung des Geschäftsmodells und der Marktposition

  • Prüfung der Unternehmensplanung

  • Ableitung der Bewertungsparameter

  • Anwendung geeigneter Bewertungsverfahren


Bewertungsgutachten werden häufig erstellt in Situationen wie:


  • Gesellschafterstreitigkeiten

  • gerichtlichen Verfahren

  • Schiedsgutachten

  • komplexen gesellschaftsrechtlichen Fragestellungen


Ein Gutachten zeichnet sich durch eine umfassende Dokumentation der Bewertungsannahmen und -methoden aus.



Welche Bewertungsform ist die richtige?


Welche Form der Bewertung sinnvoll ist, hängt im Wesentlichen von zwei Fragen ab:


Welcher Anlass liegt vor?

Welche Verbindlichkeit wird benötigt?


Eine erste Orientierung oder strategische Überlegung erfordert häufig nur eine Wertabschätzung oder Wertindikation. In Konflikt- oder Streitfällen kann hingegen ein ausführliches Bewertungsgutachten notwendig werden.


Die Wahl der geeigneten Bewertungsform ist daher ein wichtiger Schritt zu Beginn eines Bewertungsprojekts.



Fazit


Nicht jede Unternehmensbewertung hat denselben Umfang und dieselbe Aussagekraft.


Von der ersten Wertabschätzung bis zum ausführlichen Bewertungsgutachten existieren unterschiedliche Formen, die jeweils auf bestimmte Bewertungsanlässe zugeschnitten sind.


Entscheidend ist daher nicht nur die Frage „wie wird bewertet?“, sondern auch:


Mit welcher Verbindlichkeit soll das Ergebnis gelten?



Über The Valuater


Unter The Valuater analysiert Jan Seeger Bewertungsfragen aus der Perspektive eines öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für Unternehmensbewertung (IHK Berlin). Der Schwerpunkt liegt auf strukturierten Bewertungen in komplexen Entscheidungs- und Konfliktsituationen.

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